Enterprise Architecture Mgmt.

Serie: „Manage by Wire“ – Ziel zukunftsweisender Unternehmensarchitekturen?

Teil 3: Wirtschaftsprüfung und Gesundheitswesen

Denselben Weg, nur viel umfassender, gehen einige global tätige Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Sie entwickeln ein informatorisches Modell ihrer Kundenunternehmen, in dem die Wertströme und möglichen Risiken vollständig abgebildet sind. Die Prüfung findet dann in zwei Stufen statt:

  • Es wird vor Ort geprüft, ob die Modellparameter des Unternehmens richtig übernommen wurden. Der Großteil davon wird aus der IT des Kundenunternehmens übernommen, nur wenige Parameter noch manuell.
  • Danach findet der eigentliche, kreative Teil der Prüfung rein im Modell statt.

Damit eröffnet sich sogar die Möglichkeit, den wesentlichen Teil der Prüfung räumlich entfernt vom Kunden durchzuführen (Offshoring).

Ganz ähnlich ist der Fall im Bereich der Gesundheitsversorgung gelagert. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, die beiden Geschäftsmodelle Wirtschaftsprüfung und Gesundheitswesen sind sehr ähnlich: beide diagnostizieren (prüfen) und therapieren (beraten).

Damit liegt es nahe, die ärztliche Diagnose wenigstens als Vorstufe an einem informatorischen Modell des Patienten – nichts anderes als seine persönliche Gesundheitsakte – durchzuführen.

Unterschiede zur Prüfung bleiben trotzdem bestehen:

  • Das informatorische Modell des Patienten wird man prinzipiell, aber auch aus Kostengründen nie vollständig erheben können, sondern nach Bedarf ergänzen. Diagnose und die Erhebungen weiterer Modellparameter erfolgen also eher zyklisch als rein sequentiell.
  • Zum anderen wird eine noch so vollständige Gesundheitsakte das persönliche Gespräch mit dem Arzt nie vollständig ersetzen können.

Was aber auf jeden Fall erreicht werden kann, ist eine massive Entlastung des Arztes von Routinetätigkeiten. Damit wird der Standard Routine qualitativ besser und die Kapazität des Arztes für wesentliche Themen steigt massiv.

In Kürze erscheint Teil 4: Manage by Wire in Unternehmen.

Fragen, Feedback und Kommentare zu diesem Beitrag senden Sie bitte an t.wolf@acent.de

Thomas Wolf | 05.02.2020