KI / AI

Serie: Historie der KI

Teil 3: Das Verstehen und ein Gedankenexperiment

Die KI von 1984 ist vom Begriff des Wissens und den dieses Wissen darstellenden Regeln beeinflusst. Man ist der Meinung, die Wissensträger müssten nur die Regeln benennen und Expertensysteme wie das MYCIN – ein Expertensystem für die richtige Verschreibung von Antibiotika – werden die richtige Antwort liefern. Füttere man nur alle Regeln beharrlich in ein System, so der Glaube, erhält man ein System, das auf die meisten Problemstellungen eine Antwort findet.

Eine Schwierigkeit gibt es allerdings: Die Wissensträger geben entweder ihr Wissen nicht preis oder sie können einfach keine Regel formulieren, warum sie diese oder jene Entscheidung tätigen.

Auf Grund seines Wissens fällt der Mensch täglich tausende von Entscheidungen und dieses hinterlässt Spuren. Fällt er diese Entscheidung im Rahmen von Prozessen, die durch die IT abgedeckt werden, dann sind die Spuren dieses Wissens auch in den Daten zu den Prozessen abgespeichert. Nun sind neuronale Netze mathematische Modelle, die aus den Daten zu den Prozessen das genutzte entscheidungsrelevante Wissen nachbilden können. Mit Methoden des „machine learnings“ werden die neuronalen Netze mit den zuvor gespeicherten Daten zu den Entscheidungen trainiert. Der dazu notwendige Aufwand kann mit der heutzutage vorhandenen Rechenleistung und den Rechnerarchitekturen erbracht werden. Somit können das Wissen und damit die Regeln aus den Daten extrahiert und in Form von trainierten, neuronalen Netzen anwendbar gemacht werden.

Lassen Sie uns gedanklich experimentieren: Je komplexer und größer ein neuronales Netz ist, desto potentiell fähiger wird es. Je potentiell fähiger das neuronale Netz ist, desto größer kann die Menge an Trainingsdaten sein und desto mehr Entscheidungen kann es tätigen. Gesetzt den Fall, man hätte die Gesichter aller Menschen der Welt als Trainingsdaten, dann wäre ein neuronales Netz denkbar, das mit sehr geringen Fehlerraten ein beliebiges Gesicht erkennen würde. Könnte man dieses Wissen z.B. durch leistungsfähige Netzwerke überall verfügbar machen, so wäre eine lückenlose Kontrolle und Verfolgung von Menschen vorstellbar.

35 Jahre nach dem fiktiven Datum 1984 von George Orwell und der 2. Welle der KI wären wir nun in einer Welt angekommen, in der Teile der „Gedankenpolizei“ durch neuronale Netze wahrgenommen werden können. Darüber hinaus haben wir nicht nur die Fiktion wie bei Orwell, sondern deren konkrete Anwendung in Teilen der Volksrepublik China.

Teil 4 über die Anwendungen und Grenzen von KI erscheint in Kürze.

Fragen, Feedback und Kommentare zu diesem Beitrag senden Sie bitte an r.hannig@acent.de

Rüdiger Hannig | 11.02.2020

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